Titel
Das Seeholz bei Diessen am Ammersee - Pflege- und Entwicklungsplanung fuer ein waldreiches Naturschutzgebiet
Verfasser
Ulrich Ammer (*)
Anton Fischer (*)
Reinhard Mößmer (*)
Hans Utschick
Erscheinungsjahr
1994
Seiten
277 S.
Illustrationen
zahlr. Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
8316
Datensatznummer
74913
Quelle
Forstliche Forschungsberichte München : Schriftenreihe des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan; Nr. 146
Abstract
1. Grundlagen und Geschichte - Das Naturschutzgebiet Seeholz ist ein vermutlich zumindest in Teilen ehemals mittelwaldartig bewirtschaftetes, heute sehr strukturreiches, reifes, stark- und totholzreiches Laubwaldgebiet auf meist feuchten Standorten mit naturnahen Übergängen zum Ammerseeufer. Die bereits 1954 unter Schutz gestellten Wälder wurden 1985 durch die Erweiterung des NSG unter Einbeziehung der Streuwiesen im Süden und von Röhrichten mit Flachwasserbereichen im Osten aufgewertet. Das NSG umfasst 97ha, davon 65ha Wald. Auf nacheiszeitlichen Seetonablagerungen haben sich hier wasserbeeinflusste Mineralböden entwickelt, überwiegend feuchte, tonige Schlufflehme und wasserzügige Bachmullerden. Nur 4% der Standorte sind nicht grund- oder stauwasserbeeinflusst. Klimatisch gehört das Seeholz bei 533 - 548m über NN zum submontanen Bereich, wobei die Nähe des Ammersees zu relativ ausgeglichenen feucht-kühlen Bedingungen mit vermutlich geringer Spätfrostgefahr führt. Die Wasserdynamik der Bäche und Gräben des Seeholzes ist gekennzeichnet durch stark erodierende Verhältnisse im Frühjahr bzw. nach Starkregenereignissen und zumindest abschnittweiser Austrocknung der Gewässer im Hochsommer und Herbst trotz hoher Grundwasserstände in den Waldbeständen selbst. Geschichtlich gesehen weisen Hochäcker im Nordteil des Seeholzes bereits auf prähistorische landwirtschaftliche Nutzungen hin. Im Mittelalter Jagdgebiet der Wittelsbacher, wurden im 16.-18. Jahrhundert vermutlich weite Teile bei der hohen Rotwild- und Sauenbestaenden mittelwaldartig als Waldweide mit Schonung und Förderung der Eiche und später noch zur Streugewinnung genutzt. Nach Aufgabe der Waldweide vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts sorgten forstliche Massnahmen zur Erhaltung der Eiche, die vor allem im Südteil des Schutzgebiets wohl überwiegend gepflanzt wurde. Auch als 1950 die forstlichen Bestockungsziele in Richtung Fichte, Buche und Schwarzerle tendierten, konnte die Eiche gehalten werden. Bei einem Zuwachs von ca. 3 fm pro ha und Jahr wurden im Seeholz 1908- 1934 jährlich etwa 3,6 fm pro ha genutzt, ab 1953 dann nur noch 0,6 fm. In letzter Zeit wurden eigentlich nur noch Massnahmen zur Erhaltung der Eiche durchgeführt (Freistellen einer Eichennaturverjüngung im Mittelteil, Kronenpflege im östlichen Teil). Trotz all dieser Massnahmen verjüngt sich die Eiche im Seeholz kaum. Diese Pflegeeingriffe riefen aber massive Proteste des Naturschutzes hervor, was 1989 dazu führte, dass ein Pflege- und Entwicklungsplan für das Seeholz in Auftrag gegeben wurde. 2. Waldkunde - Als Voraussetzung für eine Pflege- und Entwicklungsplanung waren waldkundliche, vegetationskundliche (einschliessl. pilzkundlicher) und faunistische Untersuchungen erforderlich. Bei den waldkundlichen Untersuchungen ergab eine Analyse der Baumartenverteilung, dass die Eiche eigentlich ...