Titel
Die Wälder des Nordschwarzwaldes : Standorte, natürliche Vegetation und anthropogene Veränderung
Paralleltitel
The Forest of the Northern Black Forest, SW-Germany = Ecological site conditions, natural vegetation and anthropogenic change
Verfasser
Erscheinungsort
Freiburg im Breisgau
Verlag
Verein für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung e.V. (VFS)
Erscheinungsjahr
2014
Material
Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
Standardsignatur
5235
Datensatznummer
200184284
Quelle
standort.wald, 2014 (48) : Neue Standortskundliche Regionale Gliederung : Wälder des Nordschwarzwaldes : Rezentpollenanalyse im Nordschwarzwald; S. 41-62
Abstract
Mit Blick auf die Ausweisung des ersten baden-württembergischen Nationalparks im Nord-Schwarzwald, wollten wir wissen, (1) wie natürliche, unbewirtschaftete Wälder dieser Region aussehen würden, insbesondere durch welche Baumarten sie unter den verschiedenen lokalen Standortsbedingungen zu charakterisieren wären, (2) in welchem Ausmaß und wie die heutigen Wälder durch den Menschen beeinflusst und verändert wurden und (3) wie naturnah die heutigen Waldbestände sind. Dazu haben wir Ergebnisse der Vegetations- und Standortsökologie ausgewertet ebenso wie der Vegetationsgeschichte, zum Beispiel pollen- und großrestanalytische Untersuchungen sowie schriftliche Quellen. Die (Re)Konstruktion der lokalen natürlichen Baumartenzusammensetzungen wurde in Beziehung gesetzt zu den Ergebnissen der forstlichen Standortsklassifizierung und -kartierung. Diese ökologischen Informationen über die aktuellen Standortsbedingungen sind in hoher räumlicher Auflösung für annähernd die gesamte Untersuchungsgebietsfläche verfügbar. Darüber hin aus wurde die Konkurrenzkraft der wichtigsten Baumarten der Region, Rotbuche (Fagus sylvatica), Weißtanne (Abies alba) and Fichte (Picea abies) behandelt. Es zeigt sich, dass die Ausbreitung der Fichte nicht nur durch Aktivitäten des Mensch, sowohl durch land- als auch forstwirtschaftliche gesteuert wurde, sondern auch durch natürliche Vorgänge. Nach der letzten Eiszeit ist ein langsamer, langfristiger Wiederbesiedlungsprozess klar erkennbar. Dieser natürliche Ausbreitungsprozess vollzog sich über Jahrtausende und wäre wahrscheinlich bis heute noch nicht abgeschlossen. Im Verlaufe der Vegetations- und Siedlungsgeschichte hat sich die Bedeutung der natürlichen und anthropogenen Faktoren und Prozesse fundamental verändert, insbesondere ihr qualitativer und quantitativer Beitrag zur Veränderung der Konkurrenzverhältnisse und der Zusammensetzung der Baumarten. Allerdings erscheint es häufig unmöglich zwischen natürlichem und anthropogenem Einfluss zuverlässig zu unterscheiden und dies raumzeitlich zu quantifizieren. Nichtsdestoweniger zeigt die Fichte unter den heutigen Bedingungen an vielen Standorten des Nordschwarzwaldes eine ähnliche oder gar größere Konkurrenzkraft als Buche und/oder Tanne. Zukünftig wird der prognostizierte Klimaandel die Konkurrenzverhältnisse in Mischwäldern abermals verändern. Von einer entsprechenden klimagesteuerten Waldentwicklung wird insbesondere die Fichte stark betroffen sein, während die Tanne davon profitieren könnte.