Titel
Prospettive nuove per una economia forestale più progredita nel Cantone Ticino
Paralleltitel
Aussichten einer fortschrittlicheren Forstwirtschaft im Kanton Tessin = Perspectives nouvelles pour une économie forestière plus progressiste dans le canton du Tessin
Verfasser
Erscheinungsort
Zürich
Verlag
Schweizerischer Forstverein
Erscheinungsjahr
1977
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
629
Datensatznummer
200153946
Quelle
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen 1977; 128(6); S. 377-387
Abstract
Der Journalist Jean Anastasi hat 1925 geschrieben, dass der Kanton Tessin, 1803 durch die napoleonische Mediationsakte gegründet, arm und nackt geborgen worden sei. Damit meinte er auch die schlechte Bewaldung, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts noch zusätzlich durch unbesonnene, übermässige Schläge negativ beeinflusst wurde. In unserer Zeit hat sich die Lage dank einer energischen Aufforstungsaktion, die in den letzten 50 Jahren unternommen wurde, und durch die spontane Bewaldung der verlassenen landwirtschaftlichen Böden entscheidend verändert. Mindestens 45 Prozent der Totalfläche des Kantons sind bewaldet. Die heutige, bessere forstliche Situation bringt aber zahlreiche neue Aufgaben mit sich, die nur schwer zu lösen sind. - Die indirekte Umwandlung des Niederwaldes, dessen Rendite erhöht werden muss, ist erst teilweise begonnen worden. - Die Erschliessung der abgelegenen Hochwälder, durch intensiven Strassenbau erfordert einen grossen Einsatz. - Das Brachlandproblem ist besorgniserregend. Ausser diesen Schwierigkeiten verzögern noch weitere eine normale Waldbewirtschaftung, und die forstlichen Eingriffe werden in Zukunft die Lösung grosser organisatorischer und finanzieller Probleme erfordern. Die Aufgabe wird aber dadurch erleichtert, dass dreiviertel der Wälder im Besitze der Bürgergemeinden sind, die durch ein Gesetz von 1962 als Körperschaften öffentlichen Rechtes erklärt worden sind. Sicher wird für zukünftige Nutzung der Wälder die Bürgergemeinde allein nicht ausreichen, sondern es sind innerhalb gewisser Regionen oder Allianzen von Bürgergemeinden Betriebsorganisationen zu schaffen, die sich mit der bildung und technischen Ausrüstung von Waldarbeitergruppen sowie mit dem Holzabsatz befassen. Die neuen Tendenzen zur Verbesserung der ökonomischen Verhältnisse in den Bergtälern werden sich bestimmt positiv auf die Forstwirtschaft auswirken. Die letztere muss aber neue Aufgaben, wie die der Erholungs- und Wohlfahrtsfunktionen der Wälder, fördern und regeln und mit dem Umweltschutz zusammengehen. Obschon dem Wald in unserer Zeit die verschiedensten Aufgaben zufallen, hat sich das eidgenössiche Forstgesetz von 1902 bezüglich der Erhaltung und dem Schutze des Waldes als ein von unseren Vorfahren gut verfasstes Gesetz erwiesen. Nicht das gleiche kann man vom kantonalen Forstgesetz sagen, das nach langen Kämpfen 1912 herausgekommen ist. Es widerspiegelt praktisch das eidgenössische Gesetz, berücksichtigt aber die besonderen Tessiner Verhältnisse nur zum Teil. Wir brauchen heute ein neues Gesetz, das den Problemen, für die sich unsere Forstwirtschaft einsetzt, entgegen kommt, und die spezielle Situation unserer Wälder und ihre Rolle in einer modernen Konzeption für die Ökonomie der Berggegenden, berücksichtigt. Ein neues Gesetz muss mit grosser Hilfe von seiten der Allgemeinheit rechnen können, damit eine geeignete und rentable Waldwirtschaft möglich wird, die auch die Sozial- und Erholungsfunktionen einbezieht. Die Beteiligung des Kantons an den forstlichen Werken, die in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 1 Million Franken betrug, muss verdoppelt bis verdreifacht werden, wenn dieses grosse, natürliche und der Wohlfahrt dienende Kapital, das der Wald darstellt, aufgewertet werden soll.