Titel
Ist ein Tropenholz-Boykott sinnvoll?
Verfasser
Caspar Kuhlmann (*)
Wiebke Peters-Tiedemann (*)
Erscheinungsjahr
1992
Illustrationen
5 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
4355
Datensatznummer
200041324
Quelle
Holz-Zentralblatt 1992 : Unabhängiges Organ für Forst- und Holzwirtschaft; 118, Nr. 95; S. 1459-1460
Abstract
Bei der Befragung von 30 Tropenholzhaendlern und Furnierherstellern stellt sich heraus, dass ein Boykott zu wirtschaftlichen Belastungen fuehren wuerde. Umsatzeinbussen bei zwei Dritteln der Befragten waeren in der Hoehe bis zu 80% zu verzeichnen. Die Folge waeren Entlassungen, die bis zu 70% der Belegschaft betragen wuerden. Aber bei einer flexiblen Betriebs- und Produktumgestaltung koennten, laut 40% der Unternehmen, Entlassungen und Umsatzeinbussen vermieden werden. Durch diese Flexibilitaet koennten die Unternehmen die Belastungen, die durch einen Boykott entstehen wuerden, auffangen. Eine Moeglichkeit waere, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem Wald kaeme. Nachhaltigkeit muss dabei aber eindeutig als "das Streben und die Forderung nach stetiger und optimaler Bereitstellung saemtlicher materiellen und immaterieller Waldleistungen zum Nutzen gegenwaertiger und zukuenftiger Generationen" (Peters-Tiedemann 1984) verstanden werden, um somit den oekologischen und oekonomischen Nutzen des Tropenwaldes zu gewaehrleisten. Hierzu waere aber eine entsprechende forstliche Kontrolle und Aufklaerung der Bewohner des Tropenwaldguertels notwendig. Dann koennten die Haendler in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Verkaufsargument "Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem Wald" an den Endverbraucher herantreten und selbst die Tropenholzverbaende haetten ein wirksames Argument fuer ihre Oeffentlichkeitsarbeit in der Hand. Eine andere Moeglichkeit waere, Substitutionsholzarten wie Eiche, Fichte oder Buche mit Hilfe von technischen und chemischen Verfahren zu den gleichen guten technischen Eigenschaften zu verhelfen, wie die Tropenhoelzer sie besitzen (Burmester, 1989). Ausserdem koennten Produkte aus Kunststoff, Beton oder Stahl in die Produktpalette aufgenommen werden. Dabei muss man aber die Nachteile dieser Ersatzprodukte in Kauf nehmen, wie z.B. hoehere Kosten oder hoehere Umweltbelastung bei der Produktion oder Bearbeitung dieser Produkte, sowie hoehere Belastung bei der Entsorgung. Die Probleme eines Boykotts in der Bundesrepublik Deutschland waeren zu bewaeltigen, die Probleme in den Tropenwaldlaendern koennen aber nur in einer internationalen Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik geloest werden. Aber auch jeder einzelne von uns kann seinen Beitrag (Spenden, persoenliches Engagement etc.) dazu leisten.